Wer hat denn eigentlich wann beschlossen, dass Gemüse immer perfekt aussehen muss? Wen hat man gefragt, ob das so sein muss? Uns jedenfalls nicht. Denn in unserem Garten wachsen auch krumme Typen heran zu schmackhaftem Gemüse.

Aber in der Lebensmittelbranche hätten diese Typen keine Chance. Etwa ein Drittel aller Lebensmittel weltweit wird nicht verzehrt, sondern weggeworfen. Lebensmittelverschwendung ist nach wie vor ein absurd großes Thema. Und auch wenn nachgewiesen die meisten Lebensmittel in privaten Haushalten entsorgt werden, findet Lebensmittelverschwendung an jeder Zwischenstation der Versorgungskette statt. Nicht normgerechtes, weniger schönes Obst und Gemüse wird gar nicht erst geerntet oder noch auf dem Feld entsorgt. Warum?

Für die Landwirt*innen ist es oftmals günstiger, Erzeugnisse, die keine Abnahme garantieren, zu entsorgen anstatt sie zum Verkauf anzubieten. Das ist komplett unsinnig, vor allem, weil das so entsorgte Gemüse und Obst weder geschmacklich hinterher noch weniger gesund ist.

Und dennoch bekommen wir in den meisten Supermärkten nur den makellosen Teil der Erträge präsentiert. Noch dazu fein gesäubert. Warum darf denn keine Erde am Gemüse kleben, wenn es im Laden liegt? Sie hat doch dafür gesorgt, dass es gut wächst.

So festigt sich ein Bild vom idealen Zustand einer Möhre o.ä. in den Köpfen der Konsument*innen, die dann möglicherweise nur fehlerfreies Obst und Gemüse für genießbar halten.

Tatsächlich ist die Toleranz gegenüber Makeln sehr niedrig. Vor allem, wenn die Lebensmittel, die diese Makel aufweisen, nicht vergünstigt angeboten werden, sondern sich unter die perfekten Artgenossen mischen. Dieser Maßstab hat mit Natürlichkeit nicht viel zu tun und zeugt von einem undankbaren Umgang mit Nahrung.

Wir finden: Auch krummes Gemüse und Obst mit Macken gehört auf den Tisch! Wer Gemüse selbst anbaut und Obstbäume pflegt, weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt und wie vieler Ressourcen es bedarf – der käme gar nicht auf die Idee, unperfekte Exemplare wegzuwerfen. Und die Erde an Kartoffeln, Möhren, Roter Bete etc. gehört schlichtweg dazu. Direkt aus der Erde oder vom Baum ist unser Essen echter als sorgfältig ausgewählt, von Dreck befreit und in Plastik verpackt.

Vielleicht würden sogar noch mehr Menschen gerne Gemüse essen, wenn es ab und zu so funny aussieht wie unsere krummen Typen, die auch mal an Aliens und Fabelwesen erinnern.

Immerhin scheint es an der ein oder anderen Stelle erste Schritte zum Umdenken zu geben. Einzelne Lebensmittel-Ketten bieten mittlerweile Obst und Gemüse an, das in gewissem Maße nicht der verbreiteten Vorstellung entspricht – und das nicht vergünstigt. Namentlich werden die krummen Typen dann zu „Biohelden“ oder „Den etwas Anderen“.  

Inzwischen sorgen Initiativen wie Etepetete und Rübenretter dafür, dass es auch krummes Gemüse und Obst in die Haushalte schafft. In ihren Bio-Kisten und Retterboxen landen vor allem solche Stücke, die anderswo nicht verkauft würden.

Das finden wir echt gut – und auch bei uns sind unperfekte Gewächse immer willkommen. Sie werden genauso sorgfältig gehegt und gepflegt wie alle anderen.

//Helena & Anna